Sizilianisches Lexikon - Von Bagheria bis Borgetto

Sizilianisches Lexikon, für die Reise und den Wissenshunger

Bagheria. Bagheria liegt 16 km östlich von Palermo. In der zweitgrößten Stadt der Provinz Palermo wohnen 54.800 Einwohner. Die Stadtteile von Bagheria sind Aspra, Mongerbino und Porticello. Aspra ist für seine reichen Zitronenplantagen und Porticello für die idyllischen Hafenanlagen bekannt. In Mongerbino gibt es unberührte, kleine Strände. Hier wohnen die Reichen von Palermo und Umgebung. Bagheria liegt an der Autobahn A19 und an der SS 113 Palermo – Cefalù. Der Ort hat einen Bahnanschluss, die Fahrzeit nach Palermo Centrale beträgt 10 Minuten. Die Nachbargemeinden sind Ficarazzi, Misilmeri und Santa Flavia. Bagheria entstand im 17. und 18. Jahrhundert, als der Adel aus Palermo sich hier Villen baute, um abseits der spanischen Vizekönige in schöner Landschaft zu residieren. Den Anfang machte Giuseppe Brancoforte, Principe di Butera, als er 1658 die Villa Butera im Stil eines Kastells errichten ließ. Um 1700 entstand die Villa Cattolica, welche heute die Galleria di Arte Moderna mit Werken des Malers Renato Guttuso beherbergt. Der berühmte Maler wurde in dieser Villa auch zur Ruhe gebettet, sein Grab befindet sich im hinteren Teil der Villa inmitten einer Gartenanlage, mit Blick zum Meer - so wie es der Künstler selbst erwünscht hatte. Die Villa Valguarnera, erbaut von 1714 bis 1721, ist die aufwendigste Anlage mit Anfahrtsallee, einem von Säulenhallen umgebenen Vorhof und konkav geschwungener Fassade. Ab 1715 wurde die Villa Palagonia errichtet. Charakteristisch sind der ellipsenförmige Grundriss, eine aufwendige Treppenanlage und 62 Steinskulpturen, die den Hauptbau umgeben. Diese grotesk wirkenden Statuen waren immer wieder der Kritik ausgesetzt. Goethe beschrieb sie als „Palagonische Raserei“. Eine der letzten Villen, die Villa Villarosa, wurde ab 1790 im klassizistischen Stil mit korinthischen Säulen erbaut. Die weitläufigen Gärten und Parkanlagen, in denen die Villen standen, fielen in den 1970er und 1980 Jahren den Bauspekulationen der Mafia zum Opfer. In Bagheria geboren wurden der Dichter Ignazio Buttitta, der Maler Renato Guttuso und der Filmregisseur und Oscarpreisträger Giuseppe Tornatore. Die aus Florenz stammende Schriftstellerin Dacia Maraini verbrachte ihre Jugend in Bagheria. In Bagheria, Eine Kindheit auf Sizilien beschreibt sie ihre Erlebnisse und Eindrücke während dieser Zeit.

Stadtplan von Bagheria

Balestrate. Balestrate liegt 57 km westlich von Palermo. Hier wohnen 5900 Einwohner, die in der Hauptsache vom Weinbau und im Sommer vom Tourismus leben. Die Nachbargemeinden sind: Alcamo (TP), Partinico und Trappeto. Der Ort wurde 1681 gegründet. Vorher befand sich hier eine Anlage zum Thunfischfang.

Baucina. Baucina liegt 38 km südöstlich von Palermo. Hier wohnen 1990 Einwohner, die in der Hauptsache in der Landwirtschaft arbeiten. Die Nachbargemeinden sind: Bolognetta, Caccamo, Casteldaccia, Ciminna, Ventimiglia di Sicilia und Villafrati. Der Ort wurde bis 1626 gegründet. Baucina wurde schachbrettartig angelegt.

Belice. Im Januar des Jahres 1968 wurden Teile des westlichen Sizilien durch ein starkes Beben erschüttert, das in den Hängen über dem Flusslauf des mittleren Belice mehrere Dörfer zerstörte: Partanna, Montevago, Santa Margherita Belice, Salaparuta, Santa Ninfa, Poggioreale und Gibellina. Was folgte, ist eine für Italien bezeichnende, daher bekannte Geschichte: trotz Bereitstellung von Geldern durch den italienischen Staat blieb die Hilfe für Tausende ihrer ganzen Habe beraubten Menschen aus. Mafiaspekulation und die Ohnmacht der verantwortlichen Politiker waren wieder einmal der Grund, dass staatliche Gelder in dubiosen Kanälen verschwanden. Unterdessen lebten die Menschen, für deren Hilfe das Geld gedacht war, in Barackenlagern in den unwirtlichen Bergen hoch über dem Belice-Tal. Es dauerte etwa 15 Jahre, bis die verarmten Menschen in die tieferen Tallagen ziehen konnten, wo neue Städte entstanden. Aber noch heute kann man als unschöne Fremdkörper die Betonterrassen jener Lager zwischen wuchernden Pflanzenbänken erkennen. Die alten Städte mit engen Gässchen lagen an den Hängen unterhalb der Hügelkämme und waren dadurch geschützt vor Eindringlingen, etwa im Mittelalter vor afrikanischen Piraten. Die neuen Ort liegen nahe der inzwischen das Belice-Tal durchschneidenden Autobahn.

Belmonte Mezzagno. Belmonte Mezzagno liegt 20 km südlich von Palermo. Hier wohnen 10.450 Einwohner, die in der Hauptsache in der Landwirtschaft arbeiten. Die Nachbargemeinden sind: Altofonte, Misilmeri, Palermo und Santa Cristina Gela. Der Ort wurde bis 1752 gegründet.

Bisacquino. Bisacquino liegt 80 km südlich von Palermo. Die Stadt hat 5060 Einwohner, die überwiegend in der Landwirtschaft tätig sind. Die Hauptprodukte sind Viehzucht, Getreide, Olivenöl sowie in geringerem Umfang Wein, Mandeln und Nüsse. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist die Aufforstung des Monte Triona und die Pflege des ausgedehnten Waldgebietes. Die Nachbargemeinden sind: Caltabellotta (AG), Campofiorito, Chiusa Sclafani, Contessa Entellina, Corleone, Giuliana, Monreale, Roccamena und Sambuca di Sicilia (AG). Die Gemeinde geht auf arabischen Ursprung zurück, hier stand mal ein arabischer Weiler. Von 1183 bis 1778 regierten die Bischöfe aus Monreale in Bisacquino.

Borgetto. Borgetto liegt 28 km westlich von Palermo. Hier wohnen 6650 Einwohner, die in der Hauptsache in der Landwirtschaft arbeiten. Die Nachbargemeinden sind: Giardinello, Monreale und Partinico. Der Ort wurde im 9. Jahrhundert von der Arabern gegründet. Der Name bedeutet im arabischen kleiner Turm. Der Ort gehörte seit 1410 zu dem heute nicht mehr bestehenden Kloster Santa Maria delle Ciambre. Sehr schön auch der Aufstieg zur Wallfahrtskirche Romitello mit Aussicht auf Segesta und dem Golf von Castellammare.